BL 09/10 #23: Der Trainer lenkt ab

1. FC Nürnberg - FCB 1:1

Ich kann dieses Spiel nicht einorden. Das liegt nur bedingt daran, daß ich nur Ausschnitte davon gesehen habe; die ARD-Bundesliga-Konferenz habe ich im komatösen Zustand verfolgt.
Aber vor dem Spiel beschlich mich das Gefühl, daß viel drin war - aber kein Sieg.
Es lag wieder einmal am Tabellenende darbenden Club aus Nürnberg, der, so man den Berichten glaubt, wenig ambitioniert das Projekt Klassenerhalt angeht. Dazu kommt die Konstellation, daß mit Breno und Ottl zwei Leihspieler aus München nun bei den Franken spielen, die voraussichtlich auch nächste Saison einen Arbeitsplatz abseits der Säbener Straße benötigen. Sie eine weitere Spielzeit in der Bundesliga beim 1. FCN zu parken, ist eine naheliegende Möglichkeit. Das ist nicht allzu weit weg, was für die Spieler den angenehmen Vorteil hat, wichtigen Dingen wie Friseurbesuchen auch weiterhin in vertrauter Atmosphäere nachgehen zu können. Höhenflüge sind auch nur selten zu erwarten. Und es ist allemal besser als zweite Liga. Ein Leihgeschäft an ambitionierte Vereine empfiehlt sich nicht, das zeigt Toni Kroos in Leverkusen Woche für Woche. Dann lieber Nürnberg. Aber dazu darf der Verein nicht absteigen.

Ich glaube nicht, daß das Spiel absichtlich hergegeben wurde. Aber es gibt weitaus wichtigere Spiele, in denen wieder hundertprozentige Konzentration verlangt wird. Nächsten Samstag zum Beispiel gegen den HSV, gegen den unsere Bilanz der letzten Jahre alles anderes als schön anzusehen ist.

Wie gut ist es dann, einen Trainer wie Louis van Gaal zu haben, der sich demonstrativ vor die Mannschaft stellt und ihr ein gutes Spiel bescheinigt. Ob er das wirklich ernst meint, werden die Spieler in der Besprechung erfahren haben. Schlau, wie er ist, weiß er natürlich, daß er mit diesen Brosamen Journalisten nicht abspeisen kann. Also greift er zur Attacke, indem er auf Nachfragen Sportjournalsten wenig Kenntnisse von Fußball bescheinigt und hält damit seine Mannschaft geschickt aus den Schlagzeilen heraus.
Und er beschert dem Verein, bei dem man immer befürchten muss, daß außer langen Unterhosen noch andere schmutzige Wäsche gewaschen wird, wieder eine ruhige Woche und den Medien ein Thema, das sie bis Samstag in Schach hält.
So lenkt man von einem farb-und folgenlosen Unentschieden bei einem potentiellen Absteiger ab.

Das ist zumindest meisterlich!

CL 09/10 Achtelfinale: Abwehrarbeit

FCB - AC Florenz 2:1

So konnte es ja nicht weitergehen. Nach den letzten Spaziergängen durch die Bundesliga wurde es ernst. Daß die Fiorentina als eines der spielstärksten Teams in der Seria A gilt, hat man in Ansätzen gesehen. Was sie jedoch tatsächlich auszeichnete, war eine taktische Disziplin mit einer für in den letzten Wochen ungewohnt guter Abwehrarbeit. Der AC Florenz hat nicht viel zugelassen, Ribéry und Robben wurden immer gut gedoppelt. Nur Robben gelang es, sich ein wenig zu lösen.
Ja, es hat sich gezeigt, daß der Sturm international auch nicht das Nonplusultra ist. Gomez agierte glücklos (nicht nur wegen des nicht gegebenen 1:0) und wenig tatktisch, Thomas Müller, der zu sehr aus dem Mittelfeld kam, war nicht gut aufgelegt. Mit den frischen Olic und Klose wurde es ein wenig besser.
Das Defensivverhalten war auch wieder sehr fahrlässig. Diego Contento, der für den vereltzten van Buyten eingewechselt wurde, hatte bei seinem Champions League-Debüt Pech, als er den Ball vor dem 1:1 nicht wegbekam, aber davor wurde schon geschludert.
Louis van Gaal war wohl mit dem Auftritt seiner Mannschaft auch nicht zufrieden, denn drei Wechsel vor der 70. Minute gab’s zuletzt bei Felix Magath.

Daß der Spaß dennoch nicht zu kurz kam, ist dem Schiedsrichter Övebrö zu verdanken, der Klose nicht nur nicht vom Platz stellte, sondern auch grozügig darfüber hinwegsah, daß er beim 2:1 sehr deutlich im Abseits stand. Aber der Stürmer mit dem hängenden Kopf benötigt Aufbauhilfe, wenn sie ihm der Trainer nur in kleinen Dosen zukommen lässt…

International hängen die Trauben noch zu hoch, auch wenn der FCB wohl ins Viertelfinale kommen wird. Denn vor dem Tor sind die Florentiner keine Ungeheuer.

BL 09/10 #22: Einen Müller für die Abwehr? Hummels!

FCB - Borussia Dortmund 3:1

Erstmals seit langem war von einem Arbeitssieg die Rede. Ich habe nichts anderes erwartet. Defensiv gut aufgestellte Dortmunder machten es den Bayern nicht leicht. Defensiv schlecht aufgelegte Bayern machten es den Dortmundern leicht, zumindest ein Unentschieden aus der AllianArena zu entführen. Schiedsrichter und Spielklasse verhinderten, daß Leverkusen beruhigt weitermarschieren kann. Allerdings möchte ich Mario Gomez nicht widersprechen, der zu seinem 3:1 von einem “In dubio pro Stürmer” sprach. Denn so eindeutig war das Abseits aus den mir gezeigten Positionen nicht. Und dem 2:1 ging ein wirklich traumhafter Spielzug voraus, der alleine sein Eintrittsgeld wert ist.
Ribéry - Müller - Ribéry - Robben vollendet.
Ich werde Thomas Müller an dieser Stelle nicht in die Nationalmannschaft schreiben, weil ich befürchte, daß dort seine Veranlagung nicht wirklich zum Tragen kommt. Vorlagengeber und Vollstrecker in einer Person sind dem deutschen Fußball seit einigen Jahren suspekt. Deswegen muss auch Stefan Kießling aus allen Lagen vorlegen und treffen, um außerhalb Baden-Württembergs wahrgenommem zu werden. Seine Vielseitigkeit macht es einem selbst ernannten Konzepttrainer wie Löw schwer, ein Multitalent adäquat einzusetzen. Er kann’s auf rechts, er kann’s auf links, und er kann’s auch vorne. Bevor wir lange grübeln, wo wir ihn am besten einsetzen, lassen wir ihn lieber zuhause und nehmen Podolski mit, der zwar eine schlechte Saison spielt, aber dessen taktisches Verständnis zumindest überschaubar ist. Und Buddy Klinsmann hat Müller letzte Saison mangels Überforderung auch links, rechts oder vorne liegengelassen.
Man könnte noch darüber reden, wenn er in der Abwehr einsetzbar wäre, wo sowohl der FCB als auch die Nationalmannschaft Handlungsbedarf haben.
Patzt der Micho nicht, nimmt sich van Buyten seinen freien Tag. Aber hinten kann Müller nicht auch noch den Heilsbringer geben. Das erwartet nicht mal King Louis von ihm, auch wenn er ihn immer durchspielen lässt. Wenn er klonen könnte, wäre Müller sicher einer der ersten Spieler, bei denen er es versuchen würde.

Aber Thomas Müller ist in der Nationalmannschaft sowieso verloren: dort lernt er nichts. Wie man eine gute Abwehr knackt, hat er gestern gegen Klopps Defensivkünstler gelernt.

Und deshalb erspare ich es meinen Lesern und mir über die wahrscheinlich größte Fehlleistung Klinsmanns zu lamentieren: den Verkauf von Mats Hummels. Es tut schon weh, Hermann Gerlands Klagen zu lesen. Er ist der Müller für die Abwehr.
Aber gegen einen Robert Huth, den Podolski unter den Abwehrspielern, kann er natürlich nicht anstinken.

Erfreuen wir uns also an Thomas Müller und bescheiden uns damit, daß Hummels nur zweimal im Jahr gegen uns spielt.

Tauwetter

Früher, in den wilden Zeiten

756. Tatort: Königskinder (RB/WDR; EA: 07.02.2010)

Ermittler: Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Kommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen), Assistent Karlsen (Winfried Hammelmann)
Figuren: Markus Messenburg (Oliver Stokowski), Sonja Messenburg (Christine Kutschera), Bernd Petermann (Dirk Borchardt), Edith Siemers (Bibiana Beglau), Rüdiger Wilke (Lars Rudolph), Udo Bolz (Frank Jacobsen), Adrian Plöger (Peter Kremer), Jelena Tiburski (Julia Gorr), Ratko Jacopec (Ivan Shvedoff), Timo Zeschnig (Ronnie Paul)
Drehbuch & Regie: Thorsten Näter

Es wird erneut privat am TATORT. Die Kommissarin Inga Lürsen fällt nach einem Treppensturz ihrem behandelnden Arzt in die Arme, während Nils Stedefreund mit seiner Vergangenheit konfrontiert wird.

Immerhin: Morde
Man kann dem Autor und Regisseur Thorsten Näter, der schon einige Bremer TATORTe geschrieben und inszeniert hat hat, nicht vorwerfen, mit Morden zu geizen. Zu Beginn wird die Gattin des Industriellen Markus Messenbach bei einem Raubüberfall in dessen Haus ermordet. Dem gefesselten Messenbach gelingt es, sich zu befreien, dabei erschießt er einen der Täter in Notwehr. Der Überfall in das schicke Anwesen in Bremerhaven gleicht drei zuvor begangenen Raubüberfällen. Nur die Leiche irritiert die Ermittler - und im weiteren Verlauf auch den Zuschauer, weil er nicht einordnen kann, was dieser Mord bezweckt.

Ist es die Rache Messenburgs ehemaligen Angestellten Timo Zeschnig? Wie steckte die Messenburgs in einer Ehekrise? Was verschweigt Messenburgs Sekretärin Edith Siemers? Sehr schablonenhaft wird eine Kriminalgeschichte erzählt, die zwar Spannung bietet, aber wenig begeistern kann, weil Motiven und Charakteren zu wenig Entfaltungsmöglichkeiten geboten werden. Einzig Bibianas Beglaus Sekretärin wird etwas konkreter gezeichnet, wenn auch klischeehaft.

Es wird - auch sehr stereotyp - eine dubiose Prostituierte in die Geschichte eingeflochten, die etwas zu wissen scheint. Doch die muss auch sterben und kann deshalb zur Klärung des Falls nicht beitragen. Mit einer Falle gelingt es Inga Lürsen, den Täter zu überführen, während Nils Stedefreund damit beschäftigt ist, mit den Schatten seiner Vergangenheit zu kämpfen.

Stedefreunds Vergangenheit
Es gehört leider zum schlechten Ton, dass Ermittler in einen Fall persönlich involviert sind. Dieses Mal ist es Lürsens Assistent, der das tote Opfer kannte. Mit Sonja Messenburg war Stedefreund einst zusammen, als er mit ihrem Bruder Bernd Petermann in Bremerhaven die Polizeischule absolvierte. Zusammen mit Edith Siemers bildeten sie eine Clique. Vom Fall wird Stedefreund nicht abgezogen, weil es von Vorteil ist, dass er sich in Bremerhaven auskennt. Außerdem soll er seine ehemaligen Kumpel Petermann daran hindern, auf eigene Faust zu ermitteln.

Lürsens Gegenwart
Nach ihrem Treppensturz beschließt Inga Lürsen Gleichmut. Sie will sich nun gar nicht mehr aufregen. Sie akzeptiert, dass ihre Tochter Helen ausgezogen ist, ohne ihr vorher Bescheid zu geben. Helen hinterlässt ihrer Mutter Paul, weil im Polizeiwohnheim keine Hund erlaubt sind. Für den Zuschauer ist das erfreulich, weil Helen weder zu sehen noch zu hören ist. Es besteht die berechtigte Hoffnung, dass die Tochter ihre Karriere außerhalb Bremens fortsetzt. Paul hat nun kein Frauchen mehr und wird zwischen Lürsen, Stedefreund und Karlssen hin- und hergeschoben. Der gutmütige Zuarbeiter Karlssen wird so etwas wie eine Bezugsperson für den waisen Vierbeiner. Doch auch ohne Tochter hat Inga Lürsen ein Privatleben. In aller Gelassenhet verliebt sich die Kommissarin in ihren Arzt Dr. Adrian Plöger, dem sie am Schluss auch noch das Leben rettet.

Schon lange vorbei?
“Die wilden Zeiten sind schon lange vorbei”, sagt der Doktor zu seiner geliebten Kommissarin. Die guten Zeiten des Bremer TATORTs anscheinend auch, denn der dritte schwache Fall nacheinander legt diese Befürchtung nahe.”Königskinder” hat wenig TATORT-Qualitäten, bisweilen driftet er sogar ins Pilchereske ab. Doch dafür gibt es im ZDF parallel zur TATORT-Sendezeit einen eigenen Platz. Einzig die Bilder aus Bremerhaven können gefallen.
Die inzwischen schon regelmäßige persönliche Verknüpfung der Kommissare in ihre Fälle ist keine Garantie für eine gute Geschichte. Diese Folge beweist das eindrucksvoll.

Anhang
Hintergrund: Tatort-Fundus, Radio Bremen
Meinungen: Annabell mit Gastbeitrag, Fielitz, MayavonderSpree, Tittelbach.tv, Tatort-Forum

BL 09/10 #21: Arroganz und Schmach

Ich finde nicht, dass wir gut Fußball gespielt haben. Ich bin sehr böse. Wir haben arrogant gespielt.

Der Trainer hat gesprochen. Arjen Robben hat es wohl schon geahnt, denn er verzichtete diesmal darauf, nach seinem frühen Tor seinen Vorgesetzten anzuspringen. In der 2. Halbzeit hat man wirklich nicht viel gesehen, aber ich hatte nicht den Eindruck, daß mehr notwendig gewesen wäre. Dennoch sprang der achte, ungefährdete Sieg am Stück heraus.
Zugegeben, die sich und ihre Form suchenden Wolfsburger waren nicht wirklich ein ernstzunehmender Maßstab. Die Abwehr ist ein Schatten ihrer selbst. Letzte Saison hätte ein van Buyten nicht so sträflich alleine im Strafraum stehen und können und in aller Ruhe den Kopfball zum 2:0 einnicken können. Der gutmütige Franke Lorenz-Günther Köstner wird wohl froh sein, wenn er von der Herkules-Aufgabe, diese Mannschaft wieder auf Vordermann zu bringen, erlöst wird. Aber das ist nicht unser Problem.

Auf leichtfüßige wurde die Vorjahresschmach zwar nicht vergessen gemacht, aber wenigstens relativiert. Auch Grafites unnötiges Tor, bei dem Abwehr wieder nicht gut aussah, ändert daran nichts. Dabei fällt auf, daß van Gaal die Mannschaft auch personell gehörig umgebaut hat. Mehr, als man vor der Saison vermuten konnte. Nur vier Spieler - Lahm, van Bommel, Schweinsteiger, Ribéry - standen letzte Saison auch beim 1:5 auf dem Platz. Spieler wie Butt, Demichelis, van Buyten, Klose waren verletzt oder saßen auf der Bank. Acht in der Vorsaison eingesetzte Spieler sind gar nicht mehr im Verein. Wolfsburg hingegen trat bis auf drei Ausnahmen mit der gleichen Mannschaft an.

Louis van Gaal macht es jedoch nicht verkehrt. Die Mannschaft nach so einem Spiel wachzurütteln, ist richtig. Zu leicht funktioniert es derzeit, der Weg zur Arroganz und Selbstgefälligkeit ist nicht weit. Damit dürfte es sam Samstag erst einmal vorbei sein, denn Dortmund ist eine unangenehm zu spielende Mannschaft, die vor allem defensiv besser sortiert ist, als es die letzten Gegner waren.

Bemerkenswert ist auch, daß es bei van Gaal so etwas wie Unantastbare gibt, die vor der Saison niemand auf der Rechnung hatte. Thomas Müller ist so einer, der fast immer durchspielt. Seine taktische Flexibilität und gute Schulung - der Pass zu Robbens 1:0 war zum Zungeschnalzen - erspart ihm die Auswechslung, die der felißige, aber manchmall irrlichternde Olic häufig bekommt. Sollte Franck Ribéry mal wieder von Anfang an spielen, wird der Kroate wohl auf der Bank Platz nehmen müssen; vermutlich nächsten Samstag gegen Dortmund.

Kommenden Mittwoch ist mal wieder Pokal; Gegen Greuther Fürth bietet sich für den einen oder anderen Bankdrücker (Klose!) die Gelegenheit, mal wieder von Anfang an zu spielen.

S und ich

Im März letzten Jahres wurde die Variobahn dem nicht zahlenden Publikum vorgestellt, neun Monate später wurde sie erstmals eingesetzt. Eine schwere Geburt also…

Eine ebenso schwere Geburt waren die Bemühungen des Stadtneurotikers, in dem Fahrzeug endlich einmal Platz zu nehmen. Zwei Monate und diverse Anläufe waren dazu nötig.
Heute ist es mir endlich gelungen, nachdem ich rund anderthalb Stunden die Dachauer Straße auf und abgefahren bin, um das Fahrzeug endlich einmal zu erwischen. Die Chance, meine Jungfernfahrt zu unternehmen, hat sich bereits zu Beginn um 50 Prozent minimiert, weil ein Fahrzeug vorzeitig einrücken musste. Die leiderprobten Fahrgäste zwei Züge davor nahmen die Störung mit Humor: “Des werd de Türschdeierung bei der neien Trambahn sei.”

Es ist mir dann doch gelungen, das Fahrzeug von innen zu sehen und damit zu fahren.
Es knirscht ziemlich im S-Wagen, zumindest in dem Wagen, in dem ich fuhr (2302). Über die Weichen scheppert er, vor allem dann wenn die Bahn am Hauptbahnhof in die Prielmayerstraße abbiegt. Die ausführliche Fahrgastinformation im Fahrzeug ist auf den ersten Blick ziemlich beeindruckend, aber nicht nötig. “Connections” werden eben nicht immer gebraucht.

S und ich werden noch die eine oder Fahrt miteinander unternehmen. Aber an P kommst Du wohl nicht ran…

Ich wäre gestorben

Eigentlich wollte ich morgen über einen Auftritt von Gerhard Polt bloggen. Es ist bekanntlich nicht einfach, Karten für seine Audienzen zu bekommen. Man muss lange im Voraus planen. Aber der Besitz einer Karte garantiert nicht, daß dieser Abend auch wirklich stattfindet. Das wiederum liegt nicht am auftretenden Künstler (wir sprechen hier nicht von Pete Doherty), sondern am Veranstaltunsgort:

Nach Prüfung von abgehängten Gipskartondecken in der Stadthalle durch Sachverständige für Trockenbau werden alle Tagungs- und Veranstaltungsräume der Stadthalle Germering ab sofort bis auf Weiteres gesperrt. Wir bedauern, dass alle Veranstaltungen in der Stadthalle bis zum Abschluss der erforderlichen Sicherungsmaßnahmen entfallen müssen und bitten hierfür um Verständnis. (Stadthalle Germering)

Ich weiß nicht, ob es am Winter liegt, oder anderweitiger Baupfusch dieser noch jungen Halle zugrunde liegt.

Aber die nachträgliche Aussicht (welch ein wunderbarerer Widerspruch), bei einem Auftritt von Gerhard Polt zu sterben, hätte schon etwas gehabt.

Aber wenn’s denn sein muss: dann lese ich halt…

(Link: YouTube)

BL 09/10 #20: Die Wundertüte zum Zurücklehnen

FCB - FSV Mainz 05 3:0

Nein, ich habe das Spiel nicht gesehen; ab der 30. Minute habe ich es im Radio verfolgt. Sehr entspannt.
So entspannt wie letzte Woche, vorletzte Woche, …

Zurücklehnen
Die Mannschaft verzweifelt nicht, wenn sie eine Fahrkarte nach der anderen schießt. Selbst einen verschossenenen Elfer kann ich gelassen zur Kenntnis nehmen, weil die Mannschaft spätestetens in der zweiten Halbzeit den Sack zumacht.
Es gibt einen Spielaufbau. Jeder weiß, was er zu tun hat und wird entsprechend positioniert. Bastian Schweinsteiger scheint die neue Form der Unantastbarkeit in der Zentrale gut zu tun. Er steigert sich von Spiel zu Spiel.
Edson Braafheid soll ausgeliehen werden.

Beunruhigend
Wo ist der Heiland? Ah! Rechts! Zur Zeit ist das Arjen Robben, dem meistens auch etwas einfällt und seine Mitspieler gut in Szene setzt. Louis van Gaal tut ganz gut daran, Franck Ribéry noch zu schonen.
Dennoch ist diese Abhängigkeit von ihm beunruhigend, denn wenn es mal einer Mannschaft gelingt, ihn kaltzustellen, könnte es eng werden.

Wundertüte
Nein, diese Abwehr überzeugt immer noch nicht. Sie kann aber auch nicht glänzen, weil einfach der Maßstab fehlt. Die Mainzer Auftritte im Münchner Strafraum sahen sehr zufällig aus und endeten mangels Anspielbarkeit im Nichts. Zum Glück hat Martin Demichelis auch von Gaals Zaubertrank getrunken, ansonsten wäre er wohl nach dem Ellenogenstoß von Bance ausgerastet und für den Rest weder ansprech- noch anspielbar gewesen. Aber vielleicht war es dem Argentinier auch einfach nur zu kalt, wer weiß das schon?
Vorne ist auch nicht alles wunderbar. Mario Gomez findet sich inzwischen besser zurecht und rennt nicht mehr so oft ins Abseits, was aber aber auch an den bisher schlecht organisierten Abwehrreihen der Rückrundengegner liegen kann.

Ausblick
Nächste Woche geht es nach Wolfsburg. Auch wenn Lorenz-Günther Köstner, wie man aus seiner erfolgreichen Zeit in Unterhaching weiß, Beton anrühren kann, bietet dieses Spiel keinen Anlass zur Beunruhigung. Die Motivation dürfte nach dem letztjährigen 1:5 (inklusive Tor des Jahres) groß genug sein, um dort nichts anbrennen zu lassen. Daß Bayer Leverkusen immer noch Tabellenführer ist, sollte ebenfalls motivierend sein.
Wenn sich Robben beim Ausziehen seiner langen Unterhosen keine Bänderdehnung zuzieht und vielleicht auch noch Ribéry länger als 30 Minuten spielen kann, werden die Autostädter ein Déjà-vu erleben.

…und sonst
Zechbauer sah “Die totale Dominanz”.

Der Mantel und die Hausschuhe

An die Röcke an meinem Körper hat sich mein Umfeld inzwischen gewöhnt. Ich mich auch. Manchmal führt das so weit, daß ich gar nicht weiß, was ich gerade trage und auf die Nachfrage, warum ich heute Hosen trage, mit Stammeln reagiere.

Mittlerweile muss ich mich schon zu anderen, wesentlich unverfänglicheren Bekleidungsstücken äußern, auf die ich kaum eine zufriedenstellende Antwort weiß.

So wurde ich in den vergangenen drei Tagen zu einem Mantel befragt. Vor meinen Augen wurde spekuliert, daß dieses Stück, daß eigentlich nur schwarz ist und in der Oper ohne Schamgefühle an der Graderobe abgegeben werden kann, von BOSS sein muss. Was für ein wasserabweisendes Material enthalte, weil er so interessant glänzt. Woher ich ich denn den habe. Daß ich das gute Stück für 15 Euro in Berlin in einem Second Hand-Laden erstanden habe, erzeugt großes Erstaunen. (Das Stöbern in Berlin macht in der Tat mehr Spaß als in München.)

Ähnlich verhält es sich mit den neuen Hausschuhen, die ich seit vorgestern an meinem Arbeitsplatz trage. Vom spöttischen “Er hat neue Hausschuhe” (die seit Jahren heruntergekommenen Deichmann-Birkenstocks waren schon seit Jahren unhaltbar und -tragbar) innerhalb des Teams einmal abgesehen, erregen auch sie Aufsehen.
Sie sind orange. Es sind Crocs. Also nichts Besonders.
Dennoch werde ich häufig darauf angesprochen.
Orange ist meine Farbe, und ein Kollege hat schwarze Crocs. Verwechslungen im Schuhregal will ich vermeiden, und weiße werden so schnell dreckig. Sie korrespondieren natürlich nicht mit einem roten Pullover. Aber wir sind doch dort ein wenig daheim.

Ich habe noch eine lilafarbene Schneehose, die ich seit Tagen in der Hoffnung, mit der Bande endlich Schlitten fahren zu können, mit mir rumschleppe.
Ich bin auf alle möglichen Fragen und Äußerungen dazu gespannt…

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